Auf der Nationalen Konferenz des Klima-Bündnis e. V. erörtern kommunale Expertinnen und Experten aus allen Bundesländern gemeinsam mit der ASEW die zukünftige Rolle von Erdgasverteilnetzen. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise sowie neuer Regelwerke wie dem Gebäudeenergiegesetz und dem geplanten GMG/GModG prüfen Stadtwerke strategische Neuausrichtungen. Dabei stehen die Sicherung der Netzstabilität, die Schaffung verlässlicher Planungsgrundlagen, finanzielle Nachhaltigkeit und maximaler Kundennutzen im Mittelpunkt der Debatten. Regulatorische Unsicherheiten, Kostenentwicklung, Versorgungssicherheit und Praxisoptimierungen werden eingehend diskutiert.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Rolle kommunaler Gasnetze im Klimawandel und Preisschwankungen jetzt beleuchten
Die Erörterung kommunaler Erdgasverteilnetze dreht sich um vier entscheidende Themen: Die Zukunftsfähigkeit angesichts wachsender Markt- und Klimadrucke, die potenzielle Neuausrichtung und Funktionalität der Netze, die Handhabung von Risiken, die durch geopolitische Spannungen, Emissionspreise und steigende Netzentgelte entstehen, sowie die nachhaltigen Vorteile einer strategisch geplanten Infrastrukturentwicklung für Kommunen, Versorgungsunternehmen und Verbraucher, unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben und künftiger Transformationspfade, dauerhafte, optimale, effiziente Investitionsentscheidungen ermöglichen.
Emissionshandel und CO?-Preise treiben Erdgaspreisen nach oben, Verbraucher leiden
Durch den Konflikt in der Ukraine sind traditionelle Erdgasimportrouten gestört, wodurch Gaslieferungen über Liquidität und Langstreckenverschiffung erfolgen müssen. Die Streckung von LNG verschärft Transportkosten, während die kostenintensive Regasifizierung in Häfen zusätzliche Gebühren verursacht. Emissionshandel und steigende CO?-Bepreisung erhöhen die Beschaffungskosten. Diese Faktoren führen zu spürbaren Preissteigerungen für Haushalte und Gewerbekunden und befeuern die Nachfrage nach effizienten Wärmepumpen und solarthermischen Systemen. Dies beschleunigt Investitionen in dezentrale Energielösungen zur Reduzierung von Abhängigkeiten.
Rückläufige Kundenzahlen erhöhen Infrastrukturkosten und schränken Betreiberplanung massiv ein
Durch sinkende Anschlusszahlen erhöht sich der Anteil der fixen Systemkosten, der von jedem einzelnen Kunden getragen werden muss. Die Dimensionierung, Wartung und kontinuierliche Erweiterung des Leitungsnetzes bleiben unverändert, während die Nutzerbasis schrumpft. Das führt zu einem deutlichen Anstieg der Netznutzungsentgelte. Zudem verursacht eine unkoordinierte Abwanderung Unsicherheiten bei Lastprognosen, erschwert Investitionsentscheidungen und zwingt Netzbetreiber, Pufferkapazitäten vorzuhalten, um Versorgungsstabilität und Betriebssicherheit sicherzustellen und wirtschaftliche Langfristplanung zu gefährden.
Unklare GMG/GModG-Übergangsregelung verzögert dringend notwendige kommunaler Investitionen in Gasnetze
Mit dem Wegfall des GEG und der bislang ungeklärten Bedeutung von §?71 GEG im neuen GMG/GModG entfallen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen für die Erstellung von Verteilnetzentwicklungsplänen. Ohne klare Vorgaben für den langfristigen Rückgang des Gasverbrauchs ist eine Fortführung und Instandhaltung der Netzinfrastruktur über die ursprünglich geplanten Zeiträume hinaus erforderlich. Die daraus resultierenden Investitionskosten belasten kommunale Versorger. Eine gemeinsame Finanzierungsstruktur aller Energieverbraucher könnte die Last verteilen und Kosten langfristig finanziell stabil halten.
Kundendialog wichtig: Kommunale Wärmeplanung verliert durch GMG/GModG an Bedeutung
Die Neuregelungen im Gasmarkt und Gebäudeenergiegesetz führen dazu, dass kommunale Wärmeplanung vorübergehend an Priorität verliert. Stadtwerke stehen vor der Herausforderung, die Verbraucher sensibel und nachvollziehbar über Treibhausgas-Reduktionsmaßnahmen und Heizsystemwechsel aufzuklären, um Vorwürfe finanzieller Eigennutzung zu verhindern. Kommunale Verwaltungen können als vertrauenswürdige Instanzen zwischen Versorgern und Kunden vermitteln. Durch diese Rolle lassen sich Bedenken reduzieren, der Informationsfluss verbessern und die Akzeptanz von Umrüstungen nachhaltig fördern effektiv transparent kooperativ zielgerichtet ökologisch wirtschaftlich.
Langfristige Abschreibungszyklen erschweren kurzfristige Umstellungen auf Wärmenetze und Wärmepumpen
Gasnetze stellen für kommunale Energieversorger häufig einen zentralen Geschäftsbereich dar, der stabile Einnahmen liefert. Aufgrund langer Nutzungs- und Abschreibungszeiträume erfolgt jedoch selten eine kurzfristige Umstellung auf Wärmenetze oder Wärmepumpen-Contracting. Fehlen diese finanziellen Grundpfeiler, verlieren Stadtwerke an wirtschaftlicher Tragkraft und können ihre Pflicht zur öffentlichen Daseinsvorsorge nicht in gewohntem Umfang erfüllen. Eine wegfallende Erlösquelle gefährdet die Versorgungssicherheit und unterminiert langfristige Investitions- und Planungsvorhaben. Ohne diese Rücklagen wird die Finanzierung essenzieller Infrastrukturmaßnahmen stark belastet.
Strategische Allianzen nutzen Erdgasverteilnetze zur sicheren Energieversorgung mit Biomethan
Durch Fusionen und Partnerschaften erweitern Kommunalversorger ihr Geschäftsfeld, um Abhängigkeiten von einzelnen Energieträgern zu reduzieren und Skaleneffekte zu erzielen. Die vorhandenen Erdgasverteilnetze können transformiert werden, um neben Erdgas auch Wasserstoff, Biomethan oder Power-to-Gas-Stoffe zu transportieren. Diese flexible Infrastruktur schafft langfristige Versorgungssicherheit und unterstützt Klimaziele. Kooperationen ermöglichen zudem Investitionskostenteilung, effizientere Netzwartung und innovative Projekte, die die regionale Wertschöpfung stärken und zukunftsfähige Energiesysteme fördern. Sie erhöhen Planungssicherheit, senken Betriebskosten erleichtern regulatorische Anpassungen.
Kommunale Erdgasverteilnetze ermöglichen durch kontinuierliche Modernisierungen eine schrittweise Umstellung auf klimafreundliche Gase wie Wasserstoff und Biomethan. Sie bieten kommunalen Versorgern stabile Erlösströme durch verlässliche Nachfrageprognosen und sorgen für eine flächendeckende Wärmeversorgung ohne Versorgungslücken. Mit gezielten Investitionen, verankerten Förderprogrammen, Kooperationen und optimierter Kundenkommunikation können Risiken aus Preisvolatilität, regulatorischen Änderungen und Netzentwicklungsplänen abgefedert werden. So bleibt die Netzinfrastruktur als strategisches Asset erhalten und liefert planbare Kostenstrukturen sowie Ergebnisbeiträge für Stadtwerke und Kommunen.

